AVM und IoT: Eine interessante Sichtweise?

Heute habe ich eine Diskussion auf Twitter mitbekommen, dass AVM scheinbar in seine SmartHome Netzschalter (Also Steckdosen An- und Ausschalter) Lautstärkesensoren einbaut. Ohne dass dies im Handbuch erwähnt wird oder dem Käufer auf der Verpackung mitgeteilt wird. Im Changelog zu neuen Firmwareversionen steht es wohl drin und auch, dass das Mikrofon standardmäßig ausgeschaltet ist.

Mich stören an dieser Geschichte mehrere Dinge:
- Informationspolitik 1: AVM verbaut Sensoren in Geräte und weist darauf nicht hin. Auch wenn AVM selbst vielleicht(?) diese Sensoren nicht auslesen konnte - oder dieses zumindest nicht zugibt - ist der Sensor seit 2013 in den Geräten verbaut. Da man diesen Geräten von aussen nicht ansieht welche Sensoren es gibt und wohin die Daten geschickt werden kann man nicht nachvollziehen ob hier Sensorendaten unbemerkt ausgelesen wurden.
- Informationspolitik 2: In der Diskussion hat der AVM-Twitteraccount dann gemeint, es sei ja alles nicht so schlimm, ich müsste das Gerät ja nicht kaufen. Das heisst aber, AVM hat den Kern der Problematik nicht verstanden.
- Privacy by Design: Wenn man solche Sensordaten auswerten kann (laut AVM kann der Sensor nur Klatschen oder so etwas erkennen, keine Sprache), kann man daraus viel lernen über einen Haushalt. Gerade AVM-Geräte werden oft im privaten Haushalt eingesetzt, Datenschutz spielt da eine große Rolle, Privatsphäre ist wichtig. Solche Sensoren können viel verraten über die Gewohnheiten von Bewohnern - und ob sie gerade zuhause sind oder nicht. Möchte ich dass solche Daten überhaupt entstehen? Möchte ich dass AVM sie "mir zur Verfügung stellt" oder möchte ich sie - wenn überhaupt - entweder verschlüsselt haben, so dass keiner ausser mir sie sich anschauen kann?
- Privacy by Design: Es wurde als Anregung noch mit auf den Weg gegeben dass man für solche Sensoren doch einen Hardware-Schalter anbringen könnte, der deutlich sichtbar (und von Software unabhängig!) zeigt ob Sensoren aktiv sind oder nicht. Das wurde abgelehnt weil das ja Software machen kann... die natürlich nie Fehler hat.

Bei einem solchen Verhalten von Herstellern muss man sich echt überlegen welche (smarten?) Geräte man sich noch kauft. Oder einen großen Fragebogen für Wohnungen, die man besucht machen, etwa so:

Sehr geehrter Hausherr,
ich möchte Sie gerne besuchen. Da ich Datenschutz und Privatsphäre für sehr wichtig erachte, möchte ich Sie um die wahrheitsgemäße Beantwortung folgender Fragen bitten:
- Besitzen Sie Geräte, die Gesprächen lauschen und gegegebenfalls auf Sprache untersuchen? (Beispiel: Siri im AppleTV, Alexa von Amazon, Google Pendants, SmartTVs)
- Besitzen sie Geräte, die Personen und deren Gesichtsausdrücke überwachen können (Kameras, XBox Spielekonsole)?
- Besitzen Sie Geräte, die biometrische Merkmale aufzeichnen und überprüfen? (Fingerabdruckscanner, Irisscanner)
- Besitzen Sie Geräte, die Funkwellen auswerten und unsichtbar die Daten abfragen (RFID-Leser, NFC-Leser)?

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen


Vielleicht gar keine so schlechte Idee. Eventuell noch paaren mit ein paar Logos die man an die Wohnungstür vorher kleben kann ;-) So ähnlich wie CC-BY-NC oder so...
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