20. Internationale Acappella-Woche Hannover: Trio Mediæval

Heute gibt es wieder einen Bruch: Wir gehen weg von Pop- oder Jazz-Songs und tauchen wieder ein in die klassische Musik. Heute abend darf uns das Trio Mediæval aus Norwegen begleiten. Diese drei Damen singen einerseits sehr frühe klassische Musik, aber und gerade auch Volkslieder (Folksongs) aus Norwegen, zusätzlich gibt es Lieder die extra für sie geschrieben wurden.
Ihre Musik ist ideal für die kleine Kreuzkirche in Hannover, weil sie nur ihre Stimmen und manchmal Instrumente wie eine doppelsaitige Geige oder Klangstäbe) verwenden. Nichts, was den klaren Klang der Stimmen verfälscht, sondern die getragenen Hymnen und Wiegenlieder unterstützt.
Das Trio hat sich aktuell auf Lieder fokussiert, die schon traditionell als Lieder von Generation zu Generation weitergegeben werden - teilweise sind dies Lieder aus dem 17ten und 18ten Jahrhundert, teilweise aber auch Neukompositionen auf Texte aus dem achten Jahrhundert. Man kann sich einfach zurücklehnen und den Klang wirken lassen weil hier der Fokus nicht auf dem Auftreten der drei Damen besteht sondern im Klang, der gerade in dieser Kirche wunderbar wirken kann.
Die Texte der Lieder sind natürlich alle norwegisch, aber im Programm gibt es eine deutsche Übersetzung. Die ist zwar nicht notwendig, aber nett zu lesen.

Ich finde, das Trio Mediæval macht geniale Musik - und bringt uns auch wieder zurück auf den Boden. Es muss nicht immer alles schnell und sofort sein, man kann und sollte auch immer wieder sich besinnen und innehalten. Diesen Fokus bringen die drei Damen sehr gut zum Vorschein, die Liedauswahl und die Ruhe die sie ausstrahlen bezeugen dies.

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20. Internationale Acappella-Woche Hannover: Viva Voce

Nach dem gestrigen genialen Pop-Purrie hat es Viva Voce im Pavillon etwas schwer: der Saal ist größer als was sie normalerweise bespielen und das Publikum das gestern da war ist immer noch geflashed.
Aber das tut den Jungs keinen Abbruch. Die (inzwischen nur noch) vier Sänger aus Arnsberg sind auch schon seit über 15 Jahren gemeinsam auf der Bühne und haben ihr Repertoire - eher in Richtung Schlager gehend - aufgebaut. Sie sind deutschlandweit unterwegs und auch bekannt und dürfen im bayrischen Karneval auch auftreten - und zwar nicht unbedingt mit typischer Karnevalsmusik sondern auch etwas Nachdenklichem.
Sie singen viel von den Feinheiten des Lebens und was sie ausser Singen so machen (Schreinern, technische Doku schreiben...). Sie haben kreative Cover (wer erinnert sich an Clubbed to Death?) und begeistern einen guten Querschnitt an Leuten.
Ein wenig überraschend wurde beim Impro gefordert, dass als berühmte Person "Arndt Schmöle" vorgeschlagen wurde - leider war Arndt selbst nicht im Publikum sonst wäre das witzig geworden! Heiko hat den Vorschlag aber gerne aufgenommen und ihn für das Stück verwendet.

Auf mich persönlich wirkt Viva Voce wie eine Band, die leider ihren Höhepunkt vor längerer Zeit erreicht hat. Ich habe heute morgen mal noch alte CDs herausgekramt und angehört: Früher waren die Stücke eher Pop-lastiger und mehr Tiefgang bei den Witzen vorhanden. Vielleicht bin ich einfach inzwischen zu anspruchsvoll geworen was Acappella angeht, oder ich bin einfach nicht der Schlagerfan. Aber wirklich neue, spannende, interessante Lieder habe ich heute abend leider nicht gehört, zumindest nichts, was mir später noch in Erinnerung bleibt. Schade für mich, aber die Band hat ja Erfolg ;-) Insofern bin ich gespannt wie es mit der Band weitergeht.

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20. Internationale Acappella-Woche Hannover: A-Cappella-Nacht (Anders, Voxid, basta) im Aegi

Wie immer Mittwochs ist heute die Acappella-Nacht. Das bedeutet, dass mehr als eine Gruppe heute auftreten wird. Meistens sind dabei mehrere junge Gruppen, die dann den Abend bestreiten.
Heute ist es ein wenig anders. Erstens gibt es keinen Acapideo-Gewinner; das finale "OK" für das Festival kam so kurz vor den Konzerten, dass man keinen Wettbewerb ausschreiben konnte. Stattdessen durften die drei Gruppen etwas länger singen.
Zuerst kommt die Gruppe "anders" aus Freiburg dran - und ich frage mich, warum sie bei ihren Konzerten Stuttgart als Konzertort ausgelassen haben! Die fünf Jungs machen Popgesang, aber nicht nur Mainstream, sondern eigene Songs mit ihrem eigenen Stil und das macht die Songs einfach anders. Der Auftritt und die Lieder machen Spass, die Texte sind auf deutsch und damit kriegt man natürlich das Publikum. Mir gefällt das Lied über Freiburg sehr gut, weil es die Stadt beschreibt ohne die üblichen Plattitüden - oder auch ohne die Stadt zu nennen.
Nach anders kommt die Gruppe Voxid - die es eigentlich schon nicht mehr gibt. Die Mitglieder von Voxid haben sich während der Corona-Pandemie entschieden, die Gruppe aufzulösen und eigene Projekte weiterzuverfolgen. Aber für die Acappella-Nacht haben sie sich in ihrer letzten Formation noch einmal zusammengefunden um gemeinsam aufzutreten. Inzwischen gehört(e) auch Joachim Rust zu Voxid, der früher bei Juicebox aus Hannover war. Und hier gibt es heute abend eine Premiere: Ein Mix von Juicebox und Voxid für ein Lied! Lucy (Sopranistin von Juicebox) kommt noch einmal auf die Bühne um mit Voxid das erste bekanntere Lied von Joachim zu singen - The Truth about Love. Das ist einfach cool, weil beide Gruppen geile Musik gemacht haben - und beide ja inzwischen nicht mehr existieren. Ich finde das extrem schade, aber leider ist es nicht zu ändern.
Ansonsten hat Voxid ihre Lieder gesungen - sehr kraftvoll, wie wir es gewohnt sind. Ungewöhnlich, weil sie ihre eigenen Lieder schreiben und ihren Stil dabei finden. Sauber vorgetragen, mit den Mikrofonen spielend und einfach für sehr gute Stimmung sorgend.

Und was macht das Publikum? Nach der Zugabe des berühmten letzten Liedes singt es - wie bei anders - einfach den Refrain des letzten Stückes so lange, bis die Gruppe wieder auf die Bühne kommt und noch eine zweite Zugabe gibt ;-) So gehört sich das.

Zu guter Letzt darf dann noch basta auf die Bühne. Die fünf Jungs haben auch angekündigt, am Ende diesen Jahres sich aufzulösen und so sind auch sie gerade auf ihrer Abschiedstournee. Vielleicht nutzen anders dann den Platz der frei wird ;-)
Zu Basta gehört auch Arndt Schmöle und so sind heute alle Gründungsmitglieder der Gruppe Modell Andante im Theater am Aegi - entweder als Organisatoren oder als Künstler. Das hat auch was ;-)
Basta haben ein Potpourri ihrer Lieder mitgebracht - ein Querschnitt ihrer Bühnenlaufbahn und der Lieder die sie im Laufe der Jahre produziert haben. Es ist witzig, spannend, cool und irgendwie traurig - dieses Konzert ist nicht das letzte Konzert von basta, aber es gibt sie halt nur noch dieses Jahr. Machen wir das Beste draus!

 

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20. Internationale Acappella-Woche Hannover: Ringmasters

Bei den Ringmasters heute abend haben wir einen Vorteil: Wir haben dieses Konzert-Jahr mit einem Konzert der Ringmasters im Renitenztheater begonnen. Das heisst, die Ringmsaters und ihr Programm kannten wir teilweise schon. Trotzdem haben wir uns gefreut, die Ringmasters in Schloss Landestrost zu hören.


Wie immer ist das Konzert in Schloß Landestrost als erstes ausverkauft - und auch wenn hier oft ungewöhnliche Konzerte während der Acappellawoche stattfinden, kommen die Zuschauer gerne wieder.


Dieses Mal also die Ringmasters. Die vier Schweden sehen sich als Zirkusdirektoren, die dem Publikum Barbershop-Gesänge näher bringen wollen - und das mit Erfolg; sie dürfen sich seit 2012 Barbershop-Weltmeister nennen.
Ihre Lieder sind bekannte Lieder - entweder original Barbershop oder von ihnen umarrangiert, auf sie zugeschnitten. Immer auch ein wenig selbstironisch, haben ein wenig Choreographie mit der sie ihre Lieder noch verstärken. Und Jakobs Fähigkeit, einen Ton über eine Minute ohne luftzuholen singen zu können hilft ihnen auch oft, ein überraschendes Ende des Closed-Harmony-Gesangs zu ermöglichen - die Akkorde wechseln drei bis viermal bis die finalen Schlusstöne gefunden wurden.
Am Ende können sie leider die Leute nur vertrösten: Der Koffer mit den CDs ist wohl beim Flug verlorengegangen, daher gibt es kein Merchandise heute abend. Da kann man ja nur froh sein, dass ihre Anzüge wohl im Handgepäck waren ;-) Aber ein schönes Konzert und ich freue mich auf ihren Kurzauftritt beim Abschlußkonzert.

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20. Internationale Acappella-Woche Hannover: Gallicantus

Für Gallicantus hat die internationale Acappella-Woche Hannover einen neuen Aufführungsort sich ausgesucht: Die Kirche St. Andreas in Springe. Dies ist eine relativ kleine Kirche, aber hell und klein genug, dass die sechs Männer von Gallicantus ohne Mikrofone oder ähnliche Verstärkung auftreten können.
Gabriel Crouch, der früher auch bei den King's Singers gesungen hat, hat sich Sänger gesucht, mit denen er Renaissance-Musik so darreichen kann wie er sie sich vorstellt - klar, ohne Schnörkel, einfach aber der komplexen Musik gerecht werdend.
Gabriel selbst macht die Ansagen und freut sich als erstes darüber dass die Gruppe nach drei Jahren tatsächlich ihr erstes Konzert gibt - und das im Rahmen eines Festivals, bei dem er schon zu seiner Zeit mit den King's Singers aufgetreten ist. Auch die Kirche sowie das Publikum tut es ihm an, weil die Kirche zu seiner Art Musik passt und die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt ist.
Das Konzert hat tatsächlich eine Pause diesmal - das Hausrecht der Aufführungsorte ist immer unterschiedlich.

Gabriel hat das Programm "Die Kunst des Klagens" genannt und gliedert die beiden Konzertteile in jeweils drei Abschnitte auf: Epitaphen (ein Komponist beklagt den Tod seines Lehrers oder Vorgänges in Form eines Liedes), Hingabe aufgrund des Todes von Prinz Henry sowie Didos Klage.
 
Für jedes der drei Teile werden Stücke von verschiedenen Komponisten vorgetragen - Thomas Tallis beginnt das Epitaph, William Byrd beklagt den Tod von Thomas Tallis und Thomas Tomkins beklagt den Tod von William Byrd.
Zum Tod von Prinz Henry im November 1612 gab es erstaunlich viel Anteilnahme des Volkes, und daraus entstand wohl auch bei vielen Komponisten der Wunsch die Trauer um den Tod des Prinzen musikalisch zu verarbeiten. So entstanden um diesen Tod herum viele Renaissance-Stücke, die Gallicantus dann vorträgt.
Und zu guter Letzt gibt es noch den Abschnitt "Didos Klagen" die aus dem Buch IV von Virgils Aeneis stammen. Die karthagische Königin Dido trauert um Aeneas, den Sohn Trojas, der sie verlassen hat. Jeder Komponist geht mit seiner eigenen Fassung an das Thema heran - der Text wird dabei anders interpretiert und musikalisch dargestellt. Es ist faszinierend, wie derselbe Text in Gesang umgesetzt wird.
Es ist fast schade, wie schnell das Konzert vergeht. Gabriels Erklärungen sind hervorragend um die Musik im Kontext zu geniessen und die Sänger sind genau richtig um diese Art von Musik vorzutragen. Gerne mehr davon!

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20. Internationale Acappella-Woche Hannover: Jazzation

Dieses Mal sind wir in der Christuskirche Hannover - eine ehemalige Kirche, deren Raum zu einem Aufführungsort umgebaut wurde. Im Altarbereich ist die Bühne und da wo früher Kirchenbänke standen ist sind jetzt Stühle auf einer Art Rampe so dass man immer über den Vordermann sehen kann. Akustisch ist dies ein guter Ort für Konzerte.
Heute abend treten hier Jazzation auf. Das ist ein Quintett aus Ungarn, welches primär Jazz singt - mit eigenen Arrangements und Idee. Die Stimmen sind klar und die Intonation so wie man es für Jazz sich wünscht - schräg aber genau so dass es Gänsehaut macht weil die Klänge ungewohnt aber passend sind.
Fast immer hat eine der Frauen den Lead bei den Liedern, aber das passt zu der Gruppe und zu den Stimmen. Und weil eine der Frauen aus Georgien kommt und genau an diesem Sonntag dort das Osterfest gesungen wird, singen sie auch ein georgisches Gebet, welches in diesem Kirchenraum natürlich sehr gut zur Geltung kommt.

Die Stücke sind alle sehr unterschiedlich - teilweise humorvolle Covers, teilweise Eigenkreationen - aber sie zeigen den Stil von Jazzation. Ich fand es eine tolle Gruppe und freue mich, sie hoffentlich in ein paar Jahren wiederzusehen und solange ihre CDs zu hören.

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20. Internationale Acappela-Woche Hannover: Voces 8

20. Internationales Acappella-Festival Hannover: Voces 8

Es ist fast drei Jahre her, dass beim internationalen Acappella-Festival das Abschlußkonzert stattfand.

Nach dem Festival ist vor dem Festival, und so wurde gleich angefangen, das nächste Festival (zwanzigjähriges Jubiläum!) vorzubereiten - Künstler wurden ausgewählt, verpflichtet, Auftrittsorte gesucht und gemietet - nur um dann im März 2020 festzustellen, dass man aufgrund von Corona kein Festival wird durchführen können. Doof.

Macht nichts, dachten die Veranstalter von Lauschkultur Hannover und fassten dann den Herbst 2020 als nächsten Termin ins Auge, um das Festival stattfinden zu lassen. Die Künstler signalisierten auch dass sie mitgehen würden, also wurde ein neues Festival geplant.

Wir alle wissen es: Auch im Herbst sah es nicht gut aus, alle größeren Veranstaltungen mussten abgesagt werden. So auch die Herbstausgabe des Festivals - und auch das dann noch einmal neu geplante Acappella-Festival Hannover 2021.

Doch die Aktiven von Lauschkultur liessen sich nicht unterkriegen. Für 2022 wurde wieder ein Festival organisiert. Eine der Gruppen, die für 2020 geplant war hatte sich inzwischen aufgelöst (Fork), aber es konnte Ersatz gefunden werden und auch die angefragten Gruppen waren begierig wieder Konzerte geben zu können - und so kommt es nun, dass Roger Cericius am 23.04.2022 endlich wieder ein internationales Acappella-Festival Hannover eröffnen konnte. Die Marktkirche mitten in Hannover ist ausverkauft, alle Zuhörer tragen Maske weil das die Markuskirche gerne möchte - und wir können endlich das Jubiläum feiern auf das wir zwei Jahre warten mussten.

Das Festival eröffnen darf das Ensemble Voces 8. Die Sängerinnen und Sänger kommen aus England und haben sich der Kombination aus alter mit moderner Musik verschrieben. Es gibt das Ensemble schon seit über 15 Jahren und sie haben sich mit ihren Programmen einen guten Ruf erarbeitet.

Voces 8 in der Marktkirche
Voces8 in der Marktkirche.

Heute abend beginnen sie ihr Konzert damit, dass sie im Rücken der Zuhörer beginnen - am Eingang zur Kirche. Man konnte also einfach dem Gesang lauschen, ihn geniessen und sich auf das Erlebnis einlassen. Ein paar Zuhörer haben sich natürlich umgeschaut, aber ich fand es schöner, einfach nur den Klang wirken zu lassen, wie er aus den Ecken der Kirche herausschallte.

Mit dem zweiten Stück kommen sie dann langsam nach vorne, um sich dann auch den Zuhörern zu präsentieren. Ab jetzt sagen sie dann auch die weiteren Stücke immer an, jeweils ein anderer Sänger darf das nächste Set ansagen. Voces 8 schafft es dabei, immer zwei Stücke zusammen zu singen, die einen gemeinsamen Nenner hatten - ob es jetzt die Thematik "Ave Maria" aus zwei verschiedenen Zeitepochen ist oder zwei Stücke, die zwar modern aber von unterschiedlichen Einflüssen geprägt sind (einmal Ideen von Arvo Pärt aufgenommen und einmal ein Lied von Rachmaninow); sie haben in der Moderation kurz erklärt was für Stücke sie nun singen, worauf man achten könnte, gepaart mit der Bitte das Set nicht durch Klatschen zu unterbrechen. Letzteres wurde auch vom Publikum akzeptiert, nachdem man gemerkt hat wie sehr es dem Set hilft, wenn zwischen den Stücken nicht geklatscht wurde.

Die Marktkirche hatte darum gebeten, dass es in dem Konzert keine Pause gibt - damit die Zuhörer sich nicht so stark über den Weg laufen und sich potentiell anstecken. Das funktioniert recht gut, die Sänger brauchen zwischendurch keine Pause und durch die Sets gibt es immer wieder kurze Pausen in denen man seine Ohren entspannen kann. Es macht Spass, sich mit der Musik auseinanderzusetzen und die (kurze) Stille beim Nachklang der Lieder zu erleben - bevor der Erste am Ende des Sets klatscht.

Als das Konzert sich dem Ende zuneigt, zeigen Voces 8, dass sie nicht nur klassische Musik beherrschen sondern auch Jazz- und Popsongs singen können. Bei den Jazz-Liedern klappt das noch recht gut, aber gerade bei den Pop-Songs merkt man ihnen die klassischen Stimmen deutlich an - ihnen fehlt die Schrägheit oder der freche Klang der Stimme, den man für Popsongs braucht. Die Lieder sind alle fehlerfrei vorgetragen - wie auch bei den klassischen Stücken ist die Intonation erstklassig, die Harmonie zwischen den Sängern vorhanden und sie liefern einen guten gemeinsamen Klang ab - aber die Stimmen klingen für die Popsons zu brav.

Aber das macht den sonst positiven Eindruck nicht kaputt. Es ist zwar gut zu wissen dass sie ein großes Repertoire haben - aber ihr Fokus lag und liegt auf den klassischen Stücken und da sind sie hervorragend.

Ich fand das Konzert klasse - es hat drei Jahre gedauert bis wir wieder ein Konzert geniessen durften, aber die Warterei hat sich gelohnt. Morgen geht es einmal mit Jazzation aus Ungarn weiter - sowie dem Singtreff, der jeden Nachmittag stattfindet.

 

Wer übrigens neugierig wurde noch dabei sein möchte: Für das Abschlußkonzert am 01.05.2022 im Kuppelsaal gibt es noch Karten...

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12. Internationale Acappella-Woche: Die lange Acappella-Nacht

Mittwoch ist traditionell der Tag der Pop-Gruppen bei der Acappella-Woche. Mittwoch ist das Konzert immer im Pavillon, mit einer relativ kleinen Bühne und einem langen hochgezogenen Zuschauerraum. Heute abend treten hier gleich drei Gruppen auf: Delta-Q, Newcomberband aus Berlin, die den Video-Wettbewerb für sich gewinnen konnte, Hartmuth und die Hitmaschine und Sonic Suite.

Delta-Q sind eine Acappella-Gruppe aus Berlin, die sich erst im Januar gegründet haben - zwei Mitglieder von "Vokalverkehr", die letztes Jahr bereits bei der Acappella-Woche dabei waren (und mit deren Video damals gewonnen hatten ;-) und zwei weitere Sänger haben ein Video gedreht, welches Dir die Socken auszieht. Nachdem sie dieses veröffentlicht hatten war es recht schnell klar, dass sie den Wettbewerb gewinnen würden...
Auf der Bühne sind die vier zwar sehr nervös, aber sie liefern die Stücke recht passabel ab - eine schöne Version von "Freude, schöner Götterfunken", andere durchaus schwierige Jazz-Stücke, wobei auch ein oder zwei Stücke von Vokalverkehr dabei sind - man merkt die Wurzeln ein wenig ;-) Ich bin mal gespannt wie sich Delta-Q in einem halben Jahr macht. Momentan merkt man noch die fehlende Bühnenerfahrung und die Nervosität beim Auftritt (beim Video merkt man, was sie können wenn sie entspannt sind), da machen sich falsche Intonation natürlich doppelt bemerkbar; aber für ihren ersten größeren Auftritt kann man das verzeihen. Gespannt bin ich auf jeden Fall!

Hartmuth und die Hitmaschine ist ein Projekt von zwei Leuten die sich schon lange kennen - Patrick von muSix und Lukas von maybebop. Sie gingen bereits gemeinsam zur Schule und hatten da schon ihre ersten gemeinsamen Auftritte. Seit letztem Sommer machen sie dann zusammen mit ihrem Tontechniker gemeinsame Auftritte als "Hartmuth und die Hitmaschine", wo sie eine Loopmaschine und Effektmischer einsetzen um Covers (oder eigene Stücke) zu präsentieren.
Beides sind Rampensäue, und das merkt man ihnen an ;-) Sie verbreiten irre Spass und haben diesen auch auf der Bühne, selbst wenn Lukas den Einsatz verpasst und daher das Stück nochmal angefangen werden muss. Macht nix, wird einfach nochmal losgelegt - die beiden auf der Bühne stört es nicht und das Publikum hat was zum Lachen. Ob es nun ein Beatbox-Battle zwischen Lukas und Patrick ist, "Komm rüber" oder "Chasing Cars" - sie bauen die Loops auf und dank ihrem Tontechniker gibt es immer neue Kombinationen der einzelnen Loops für den Auftritt. Ich bin mal gespannt, ob sie für Dortmund ein Vollprogramm fertig haben und was sie dann dort noch singen ;-)

Nach der Pause kommt es zum Hauptact: Sonic Suite. Die Gruppe existiert zwar bereits seit einigen Jahren, aber in Deutschland sind sie noch nicht so bekannt - dafür aber international. Sie haben schon einige Preise bekommen und machen momentan die Welt-Tour von DJ Bobo als Vorprogramm mit. Die Acappella-Woche hatte das Glück dass DJ Bobo gerade Tourpause macht und sie daher diesen Abend "frei" haben. So haben wir das Glück sie heute abend hören zu dürfen.
Die Mitglieder der Gruppe wurden letztendlich gecastet - ein Teil kannte sich, ein Teil wurde durch Vorsingen dazugeholt. Zusammen klingt sie gut, auch die Stimmen bauen gut aufeinander auf und sie haben gute Eigenkompositionen, die in Richtung Pop und Jazz gehen. Indra hat zwischendurch ein Beatbox-Solo - was mich nicht wundert, schließlich kann er das sehr gut und war zwischendurch deutscher Vize-Meister im Beat-Boxen. In der Gruppe hält er sich allerdings zurück und lässt seinen Kollegen den Vortritt.
Was mir gerade bei diesem Konzert allerdings auffällt ist, dass Sonic Suite recht verloren auf der Bühne wirken - als würden sie sich ducken wollen und nicht auffallen wollen. Ich weiss nicht woran es liegt; aber es wirkt alles etwas zögerlich. Vielleicht gerade durch den Kontrast durch Lukas und Patrick, die eine Bühne einfach ausfüllen und denen die Bühne nicht groß genug sein kann, sind diese sechs Mädels und Jungs eher eng zusammen, so als würden sie sich nicht trauen, die Bühne als Plattform (aus-) zu nutzen. Vielleicht müssen sie sich noch dran gewöhnen; weil die Lieder auf der CD (special für die DJ Bobo Tour, wers mag...) klingen deutlich selbstbewusster und kräftiger.
Ansonsten ist es ein runder Act - mit den ersten zwei Liedern präsentieren sie ihr können und laufen sich erstmal warm (und zwischendurch singen sie auch unplugged), danach kommen mitreißende oder auch melanchonische Stücke, gut auf die Gruppe komponiert und durchaus gut zum Zuhören.
Gerüchten zufolge wollen sie im Winter ihre eigene CD haben - ich bin mal gespannt was dabei rauskommt.
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12. Internationale Acappella-Woche: The London Quartet - Cantabile

Schloß Landestrost ist - wie eigentlich immer - eines der ersten Konzerte, welches ausverkauft ist. Kein Wunder finde ich - das London Quartet lohnt sich auf jeden Fall. Wir haben sie bereits in Stuttgart in der Hospitalkirche erlebt (ein Konzert, welches vom Renitenztheater veranstaltet wurde), dabei haben sie hauptsächlich klassische, ernste Stücke vorgetragen.
Heute abend ist der Titel des Programms "humour & harmony, Acappella style" welches eher auf einen Comedy-Abend hinweist, und dies beginnt mit schönem britischen Humor. Nach der Ansage singen / spielt das Ensemble ein klassisches Werk, nicht ohne danach bei der Begrüßung darauf hinzuweisen dass sie nicht "The London Symphonic Orchestra" seien, sondern das "London Philharmonic Orchestra", welches man selbstverständlich auch als intelligenter Zuhörer heraushören würde. In diesem Stil gehen die Ansagen und Stücke weiter - es werden entweder die Zuhörer oder die Mitsänger auf den Arm genommen, aber auf eine herzlich elegante Weise, dass man niemandem böse sein kann.
Dabei gibt es eine musikalische Zeitreise - von Madrigalen geht es über Suzette (das Lied, in dem alle französischen Phrasen, die Engländer kennen, vorkommen) bis hin zu "Shine" von Take That, bevor es weiter im Jazz mit Gershwin und Duke Ellington geht. Eine Besonderheit ist dabei das "Cricket Tea Towel": The In and Outs of Cricket, in dem die Anleitung für das Cricket-Spiel verarbeitet wird.
Das Lied "Dry Bones" von den Delta Rhythm Boys wird noch ein wenig aufgepeppt - nicht nur in dem jeder angesprochen Knochen gezeigt wird, sondern - für die Mediziner unter den Zuschauern - indem die lateinischen Namen am Ende gesungen werden. Und so geht es mit viel Humor bis an das Ende ihres Programms, wo sie zeitweise den Text eines bekannten Stückes aus "Cats" vergessen, um dann mit "Strangers in the Night" den Abend ausklingen zu lassen.
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12. Internationale Acappella-Woche Hannover: Orlando di Lasso Ensemble

Orlando di Lasso war ein Komponist aus dem 16. Jahrhundert, welcher als bedeutendster Komponist der Zeit angesehen wird, weil durch ihn die Musik der Spätrenaissance durch den intensiven Einsatz der Vokalpolyphonie erfolgreich gemacht wird.

Das Ensemble welches nach ihm benannt wurde singt nun hauptsächlich Lieder von Orlando di Lasso, aber auch andere Komponisten aus der Zeit, wobei sie möglichst die Originalquellen finden und den ursprünglichen Charakter der Musik dem Zuhörer nahe bringen wollen.

Das Konzert findet im Marienkloster statt, in dem wir schon einige Aufführungen erlebt haben - immer frühe Musik, teilweise aus dem 8. Jahrhundert, aber auch sonst eher unbekannte Stücke die in der Klosterkirche durch die schöne Akustik gut zur Geltung kommen können.#

Heute abend singt das Ensemble, bestehend aus zwei Sopranen, zwei Tenören, einem Bass und einem Altus (der auch der Leiter des Ensembles ist), Madrigale nach Francesco Petraca, welcher knapp 200 Jahre vor dem Komponisten gelebt hat. Die Stücke selbst sind in den unterschiedlichsten Lebensabschnitten von di Lasso entstanden - von 1555 bis 1585, also über eine Zeitspanne von 30 Jahren, was zu der Zeit mehr als die Hälfte der erwarteten Lebenszeit entsprach.

Die Stimmen harmonieren sehr gut miteinander, es gibt keinen der raussticht oder den Gesamtklang beeinflusst; das macht das Hörerlebnis sehr angenehm. Die Texte der Stücke werden (auf deutsch) teilweise vorgelesen, was durchaus hilft, die Poesie des Textes nachzuempfinden. Die Musik ist oft auch so geschrieben, dass sie den Text unterstützt - wenn es um Lachen geht, gibt es entsprechende kurze, leicht abgehackte Tonfolgen, wenn es um den Tod oder das Lebensende geht werden die Töne getragener, langsamer und einstimmiger.

Für seine Zeit war Orlando di Lasso der Überflieger - er hat neue Akzente in der Musik gesetzt, eine neue Stilrichtung geprägt. Heute ist er (finde ich) eher langweilig; vielleicht aber auch nur die Interpretation: Vieles klingt sich ähnlich, es gab wenig Akzentuierung oder es fehlten einfach einige heute selbstverständliche Effekte wie Piano oder Forte. Aber das stört den Gesamteindruck des Abends nicht - mich würde da eher interressieren ob das nun an di Lassos Komposition oder an der Interpretation durch das Ensemble liegt. Trotz der Ähnlichkeit waren die Stücke trotzdem schön ausgesucht und vorgetragen und der Vortrag war rundum gelungen.
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12. Internationale Acappella-Woche Hannover: Vocal Siete

Das eigentliche Eröffnungskonzert dieses Jahr findet im Cavallo statt: Diese Aufführungsstätte wurde letztes Jahr zum ersten Mal genutzt, mit Vollbestuhlung, um moderne(re) Musik den Zuhörern zu präsentieren, inklusive einer Uraufführung, bei der der Komponist anwesend war und alle Gruppen des Abends beteiligt waren.
Dieses Jahr gibt es einen Auftakt der anderen Art: Vor der Bühne gibt es eine freie Fläche, es sind aussen eher Tische aufgebaut, auf denen man sein Getränk abstellen kann; ansonsten darf man stehen.
Das ist Absicht, da heute abend Tanzmusik kommt: Vocal Siete sind sind sieben Männer von den kanarischen Inseln, die bekannte (und bei uns unbekannte) Stücke covern - oft auf spanisch, aber nicht ohne ein Augenzwinkern dabei. Dazu gehört eine Persiflage auf Tom Jones, Stücke von den Jackson 5 aber auch von den Flying Pickets. Einer der Sänger übernimmt die Ansagen mit einem leidlichen englisch, während die Anderen sich auf das Singen konzentrieren.
Die Aufteilung der Stimmen ist recht statisch; einer hat sich auf Beatboxing spezialisiert und es gibt drei Haupt-Melodiesänger.
Die Stücke werden gut gesungen - es gibt immer wieder kleine Show-Einlagen und Einwürfe, und es werden eher bekannte Lieder vorgetragen, die beim Publikum auch gut ankommen; damit wird die Stimmung praktisch garantiert.
Die Sänger animieren das Publikum, auch mitzutanzen und holen sich für einige Stücke auf Freiwillige auf die Bühne - was zumindest die Stimmung lockert und einige Zuschauer wirklich dazu bringt, sich ein wenig mehr zu bewegen als nur mit den Füßen zu wippen - das Eis war damit dann gebrochen.
Und was soll man sagen? Es wurde Tanzmusik, es sollte nichts anderes werden und die Jungs haben gut aufgespielt
Das Publikum hat sich auch mitziehen lassen - anfangs gab es eher Gemurre wegen fehlender Stühle, aber nach kurzem war das vergessen und die Zuhörer hatten einfach Spass.
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12. Internationale Acappella-Woche Hannover: Folkwang Vokalensemble

Das erste Konzert der diesjährigen Acappella-Woche ist in der kleinen Johanneskirche in Völksen. Ein ungewöhnlicher Start, aber es passt zu unserer Stimmung - gestern abend monumental, heute eher ein leiser Beginn der Acapella-Woche.
In dieser Kirche waren wir bereits letztes Jahr zu einem Gesprächskonzert, dieses Jahr darf das Folkwang Vokalensemble ein wenig zeigen, wie Komponisten voneinander abgeschrieben bzw. Ideen übernommen haben und wie sich das durch die Musikgeschichte zieht.
Das Ensemble selbst erleben wir hier zum dritten Mal - dabei waren wir einmal mit dabei, wie sie einen Meisterkurs erleben durften.
Das Ensemble hat sich seit dem letzten Mal wieder verbessert - vorher war es so, dass die Frauenstimmen jeweils aus einer "starken" Sängerin und einer Begleitung bestand, dieses Jahr sind sie stimmlich gleichberechtigt - und alle Sänger singen Soli, teilweise auch völlig alleine.
Das Konzert ist eine spannende Mischung aus Musik von der Gregorianik bis zum deutschen Volkslied; Professorg Jörg Breiding möchte zeigen, wie sich die Musik entwickelt von der Frühzeit, und welche Mittel die Komponisten anwenden um Stücke zu zitieren oder bei sich einzubauen. Den stärksten Kontrast erlebt man bei "Ubi caritas" von Duruflé, wobei vorher das Zitat in der gregorianischen "Reinform" alleine gesungen wird. Für mich ist das Ubi Caritas schon alleine deswegen spannend, weil auch der Akachor in Stuttgart diese Motette (Quatre Motets) von Duruflé vor nicht allzulanger Zeit aufgeführt hat und ich daher das Stück ziemlich gut kenne.
Die Auswahl der Stücke ist gut - natürlich viel Renaissance dabei, das Spezialgebiet des Vokalensembles; aber mit den Erklärungen von Prof. Breiding wird das ganze auch für die nicht so geübten Zuschauer kurzweilig und spannend.
Richtig schön war "Double, Double Toil an Trouble" von Jaako Mäntyjärvi, der die Hexen bzw. das Hexenmahl aus Shakespeares Macbeth besungen hat - man erkennt im Lied wunderbar die finnische Prägung bzw. Herkunft des Komponisten.

Die letzten zwei Stücke waren dann Volkslieder - aber nicht in der üblichen, bekannten Art gesungen, sondern einmal ein Arrangement von Max Reger und einmal eine speziell für "Singer Pur" komponierte Version von "Zu Regensburg auf dem Kirchturmspitz", bei der die Sänger alle möglichen Tierarten imitieren mussten - ein Heidenspaß!

Ein schöner Start in die Woche, ich bin sehr gespannt auf die weiteren Konzerte ;-)
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Maybebop monumental: Mit dem NDR Pops-Orchester

Maybebop ist eine Acappella-Band, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Bühnenjubiläum feiert. Da dürfen auch durchaus mal Experimente stattfinden - wie dieses Jahr, wo sie mit dem NDR Pops-Orchester gemeinsam Stücke von Maybebop aufführen.
Das ganze findet auch noch im großen Sendesaal des NDR statt, in den richtig viele Zuschauer reinpassen.
Wir hatten die Gelegenheit, das letzte Konzert zu erleben - das Orchester kannte Maybebop inzwischen gut, der Dirigent war entspannt und locker, auch die vier Jungs hatten viel Spass an der Geschichte.
Und was bekamen wir? Eine sehr gute Mischung an älteren und frischen Liedern von Maybebop, sehr gut untermalt vom Orchester. Der Dirigent selbst hat die Arrangements geschrieben, und zu Stücken wie "Fpaniff" auch die ensprechend spanischen Klänge aus den Trompeten zaubern lassen.
Spannend fand ich, dass (wenn Maybebop alleine sangen) die vier Sänger gut zu verstehen, - und vielleicht ein klein wenig zu laut für diesen Saal waren; aber sobald das Orchester dazu kam ihre Verstärkung nicht mehr ausreichte - das Orchester "über"spielte sie einfach mal eben ;-) Es war nicht schlimm, die Texte dürften vielen Zuschauern bekannt gewesen sein (es war kein Abo-Konzert), aber ich hätte nicht gedacht dass der Klangteppich so viel stärker sein würde. Wie gesagt, es machte nicht viel aus, es war nur überraschend.
Toll war auch die Kommunikation mit dem Orchester - man merkte, die Spieler hatten sehr viel Spass an dieser Veranstaltung; bei den Impros hat Oli sie sogar bei der ersten Impro mit eingebunden - als Beat war Techno gewünscht worden und das Schlagzeug durfte schonmal den Schlag vorgeben, die Geigen und Violoncelli durften Töne einwerfen, die Flöten haben spontan beschlossen sich auch einzubringen - man merkte, sie wollten dabei sein und Spass haben.
Mein persönlicher einziger Wehrmutstropfen ist dass die Stücke im ersten Teil "zu nah" an den Originalen waren - aber das änderte sich im zweiten Teil; vielleicht weil dann auch die Stücke nicht mehr Mainstream-Stücke waren, sondern durchaus auch nachdenklich oder kontrovers. Der Beginn des zweiten Teils mit dem König von Thule, den Sebastian als Baß anführt, wo ihn das Orchester weich begleitet, zwischnedurch dann "auf mich herab", wo die Triangel und das Schlagzeug das EKG bzw. den Herzschlag simulieren - da gab es dann doch eine Gänsehaut. Einfach genial arrangiert.

Die Hannnoversche Allgemeine Zeitung hat eine gute Kritik über das Samstags-Konzert geschrieben (ich werde sie nicht verlinken, da ich keine Lust habe, von VG Wort bzw. den Verlagen abgemahnt zu werden), das Konzert am Samstag hat dem wohl noch die Krone aufgesetzt ;-)
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11. internationale Acappella-Woche: Abschlußkonzert in der Markuskirche

Im Gegensatz zu den letzten Jahren ist dieses Mal das Abschlußkonzert nicht im NDR Sendesaal oder einem großen anderen Auftrittsort, sondern in der Markuskirche - was dem Abschlußkonzert eine besondere Atmosphäre gibt. Das Konzert startet pünktlich und schon bald stehen VocaMe und ihr Mentor auf der Bühne. Sie führen die Zuhörer in die frühe Musik ein - und als Bonbon machen sie eine Quasi-Premiere, weil der Komponist der modernen Urauffühung von Mittwoch, Hans Schanderl, sich dazugesellt und ein Stück mitspielt. Ein Zusammenführen von Gegensätzen, wenn man so will.
Danach dürfen Postyr auf die Bühne; bei diesen habe ich allerdings den Eindruck dass sie nicht auf ein Kirchenkonzert vorbereitet waren - die Kostüme waren zumindest eher dem gestrigen Abend angemessen. Heute singen sie allerdings eher ruhige Lieder - also musikalisch passt es in die Umgebung, und auch der Einsatz der Verzerrer wurde für diese Gelegenheit minimiert. Dort, wo es für das Stück wichtig ist wird er benutzt, aber er hat keine "Sonderrolle" wie gestern, wo er mit Hilfe einer Kamera auch noch vorgeführt wurde; heute war er "nur" notwendig.
Die letzten beiden Stücke gefallen mir am besten - einmal ohne Verzerrer, dafür mit Gitarre, ein getragenes Stück, und zuletzt ein Stück ohne Mikrofone überhaupt.
Nach der Pause darf das Eva Quartett auf die Bühne, die einen Teil ihres Konzerts von Freitag noch einmal zum Besten gibt. Die Stimmen sind - trotz des starken Halls in der Markuskirche - gut aufeinander eingespielt und so klingen die Volkslieder kräftig und geben die gewünschte Stimmung gut wieder. Auch wenn ich die Stücke bereits kannte - sie noch einmal zu hören hilft um sie zu geniessen; ich kann auf andere Nuancen achten und entdecke dabei noch ein paar Neuigkeiten.
Zu guter Letzt dürfen Pust ihr Können auf die Bühne zeigen - sie haben sich angepasst und hauptsächlich die Lieder im Programm die auch mit dem Hall in der Kirche klarkommen; das macht es schon, zuzuhören. Auch ihre Choreographie passt; sie brauchen keine Lichteffekte oder andere Zusätze, ihre Präsenz reicht aus um das Publikum beeindrucken zu können.
Mit diesen Stücken wird das Festival für dieses Jahr beendet - einerseits "leider", weil es schon zuende ist, andererseits ist es schön, wenn es so ruhig enden kann. Ich bin auf jeden Fall erst einmal voll mit neuer Musik und Gruppen, die ich weiterhin hören und verfolgen werde ;-) Ich bin sehr glücklich dass Sandra und Roger wieder einmal uns überraschen konnten und eine tolle Auswahl an Gruppen getroffen haben und freue mich schon auf nächstes Jahr!
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11. internationale Acappella-Woche: Matinee mit dem Eranos Ensemble

Am Sonntag morgen gab es eine Premiere: In der Johanneskirche zu Völksen gab es eine Matinee, eine Einführung in Musikgeschichte.
Die recht kleine Kirche ist ein wunderbarer Ort für diese Matinee, bei der das Eranos Ensemble ein wenig die Musik um 1600 herum erklären möchte. Dazu hat das Ensemble einige Lieder dieser Zeit einstudiert, und der Leiter des Ensembles, Frank Löhr, erklärt die damals neuen Bewegungen - Instrumente zu den Sängern dazusetzen, Musik und Text verbinden, so als würde man ein Theater mit Instrumenten und Sängern ausstatten - die ersten frühen Opern entstehen um diese Zeit.
Die Völksener Kirche ist dafür ein schöner Ort - es gibt genug Hall, dass die Lieder wirken können, aber sie ist klein genug dass sich die Sänger nicht anstrengen müssen wenn sie Solo-Parts haben. Auch hat Prof. Löhr einige Instrumente mitgebracht, so dass wir die Wirkung erleben dürfen, wenn einmal der Bass von der Orgel kommt oder die Harfe eine Begleitmelodie spielt.
Für mich ist diese Matinee ein gutes Erlebnis - es ist mal um die Mittagszeit herum ein Konzert, mit schönen Erklärungen um die Musik und den Stil der Zeit dabei und damit kann man die Musik schön nachvollziehen. Ich habe auch das Gefühl, dass den Sängern diese Art von Konzert Spass macht, weil man doch ein engeres Verhältnis zum Publikum bekommt als wenn die Lieder einfach nur vorgetragen werden.
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